Der Dom "St. Petri" zu Bautzen
Handreichung für Besucher
Der Dom St. Petri ist seit den Zeiten der Reformation eine Simultankirche: Katholische und evangelische Christen feiern hier ihre Gottesdienste. An die Trennung der Konfessionen erinnert das Gitter mitten in der Kirche - die Sehnsucht nach der Einheit der Kirchen drückt das Abendmahlsbild aus, das die beiden getrennten Türen am Nordende des Gitters übergreift.


Baugeschichte und Bauwerk

Um das Jahr 1000 wurde hier die erste und älteste Bautzener Pfarrkirche errichtet. Diese wich dem Neubau des alten Domes, dessen Chor am 24. Juni 1221 durch Bischof Bruno II. von Meißen eingeweiht wurde. Schutzpatron war Johannes der Täufer, an dessen Stelle bald der Apostel Petrus trat.
Der Dom gehört zu den spätgotischen Hallenkirchen im sächsischen Raum. Auf der höchsten Erhebung der Stadt erbaut, ist sein Turm (83 m) von allen Seiten weithin sichtbar. Die Kirche ist innen 17 m hoch und 75 m lang. In der Längsachse bemerkt man deutlich einen Knick, für den es keine sichere Erklärung gibt.

Kirche und Stadt wurden im 15. Jahrhundert durch Brände und Hussitenkriege arg in Mitleidenschaft gezogen. 1547 konnte der Dom wieder eingeweiht werden. Damals erweiterte man den Kirchenraum nach Süden um ein viertes Schiff, das mit 4 großen Maßwerkfenstern nach dem Markt zu geschmückt ist. 1634, im Dreißigjährigen Krieg, verbrannte die ganze gotische Innenausstattung. Die Erneuerung kam nur langsam voran. Die Schlusssteine des Mittelschiffes zeigen, von Ost nach West, außer den älteren Reliefs des Apostels Johannes, der Gottesmutter Maria und der Apostel Petrus und Paulus, die Wappen von Städten, die zum damaligen Wiederaufbau beigetragen haben (u. a. Frankfurt/M., Danzig, Stettin und Erfurt).

Weitere Restaurierungen veranlasste die Zweckentfremdung des Domes als Lazarett, Magazin und Pferdestall in den Napoleonischen Kriegen (1813). Das von der Anschauung der Zeit geprägte Bestreben, den gotischen Raumeindruck möglichst unverfälscht erlebbar zu machen, führte zur neugotischen Gestaltung durch den Zittauer Architekten Knothe-Seeck (1883-1887); mit Mühe nur blieben barocker Altarraum, Abendmahlsaltar, Kanzel und Fürstenloge erhalten. Die letzte große Erneuerung 1950-1955 beseitigte Schäden der Kampfhandlungen von 1945; sie folgte den Richtlinien heutiger Denkmalspflege. Dabei wurden die Kanzel und die neugotischen Seitenaltäre im katholischen Teil entfernt; im Mittelschiff des evangelischen Teiles wurde ein neuer Altar aus Sandstein errichtet; das Gitter wurde von 4,50 m auf 1 m erniedrigt und mit einer Tür versehen.


Ausstattung des katholischen Domteiles

Hochaltar
Sächsischer Marmor, 1723. Altarbilder von Antonio Pellegrini (1675-1741): Jesus übergibt Petrus die Schlüssel des Himmelreiches (Mt 16,19), darüber: Gottvater mit der Weltkugel. Sandsteinplastiken von Benjamin Thomae (1682-1751): unten: Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist, oben: Bischof Benno (mit Fisch und Schlüssel) und Bischof Donatus (Patrone des Bistums Meißen), Engel mit Spruchbändern (Röm 11,36), als Bekrönung der Erzengel Michael, Patron der Stadt Bautzen.
Der jetzt nach vorn gezogene Altartisch stammt von 1772 (lateinisches Chronostichon und symbolische Darstellung der Dreifaltigkeit auf der Vorderseite).

Chorgestühl
Schnitzereien aus Eichenholz, um 1723. Prachtvolle Blumen- und Blattgehänge.

Kreuzaltar
Südseite des Chorumganges, mit ausdrucksstarkem Kruzifixus aus Lindenholz von Balthasar Permoser, 1713/1714.

Marienaltar
Südlicher Chorumgang, mit spätgotischem Flügelaltar. Mittelschrein mit Maria und dem Jesuskind, Bischof Nikolaus von Myra und Apostel Bartholomäus. Zwischen Marien- und Kreuzaltar fand 1985 eine Statue der Schmerzensmutter ihren Platz (süddeutscher Barock). Der alte Marienaltar stand ursprünglich im Südschiff.

Sakramentsaltar
Nordseite des Chorumganges, farbig gefasste Holzschnitzarbeit des böhmischen Bildhauers Jan Hajek, 1783. Ursprünglicher Standort in der katholischen Sakristei. Bestimmt für den Empfang des Bußsakramentes und die Aufbewahrung der Eucharistie, entfaltet der Altar ein anschauliches Bildprogramm: am Beichtstuhl für die Frauen Maria Magdalena mit dem Salbgefäß (Joh 12,3), am Beichtstuhl für die Männer Petrus mit dem Hahn (Mt 26,34), im Mittelteil die Sinnbilder für den Glauben (das Kreuz) und die Hoffnung (der Anker), der Tabernakel selbst Symbol der Liebe. Auf dem Tabernakel Christus als das Lamm mit der Siegesfahne über dem Buch mit den 7 Siegeln (Offb 5,9).

Orgel
Südempore, aus der Bautzener Werkstatt Kohl, 1865.


Ausstattung des evangelischen Teiles

Abendmahlsaltar
Südschiff, unbekannter Zittauer Bildschnitzer, 1640; umfangreiche Restaurierung 1995-1999.
Im unteren Feld Darstellung des Abendmahles, im Mittelfeld die Kreuzigung Christi (vor dem Hintergrund der Stadt Bautzen?), im oberen Teil die Auferstehung Christi, in der Bekrönung Christus auf dem Regenbogen als Weltenherrscher und Weltenrichter. Texte aus der Heiligen Schrift und weitere Szenen unterstreichen die gerade für das protestantische Glaubensverständnis wichtigen Glaubensaussagen.

Fürstenloge
1674 für den zum Landvogt der Oberlausitz ernannten sächsischen Kurprinzen Johann Georg III. erbaut, aber von ihm nie benützt. Reiches Schnitzwerk.

Emporen und Orgel
Orgel aus der Werkstatt des Bautzener Orgelbauers Hermann Eule, 1909. Der Orgelprospekt, die Orgelempore, die Ratsloge (mit Stadtwappen) und die sich anschließenden Nordemporen stammen vom Dresdner Architekten Fritz Schumacher (1910, Jugendstil). Auf der Wendeltreppe der Apostel Paulus mit dem Schwert.

Grabmäler
Der Dom war Begräbnisstätte für die Geistlichen, den Adel und die Bautzener Bürger; um die Kirche befand sich ein Friedhof. An der Rückwand des Hochaltars bronzene Grabplatten für die Dekane Hieronymus Ruperti (+1559) und Johann Leisentrit (+1586). In beiden Domteilen mehrere künstlerische gestaltete Grabmäler, an der Südwand Epitaph von Dr. Gregor Mättig (+1630), einem der großen Wohltäter der Stadt und der Kirche.


Der St.-Petri-Dom ist heute die Pfarrkirche der röm.-kath. Dompfarrei St. Petri und der Evang.-Luth. Kirchgemeinde St. Petri. Bischof Bruno II. von Meißen hatte 1221 in Bautzen ein Kollegiatstift errichtet, eine Gemeinschaft von Klerikern, die zusammen lebten, beteten und die Seelsorge für die Bürger ausübten. In der Reformation schloss sich der größte Teil der Einwohner dem lutherischen Bekenntnis an. Dekan Johann Leisentrit (1559-1586) ist es wesentlich zu verdanken, dass zwischen den Bürgern und dem katholisch gebliebenem Domstift die Nutzung des Domes durch Verträge einvernehmlich geregelt werden konnte. 1848 wurde der Dom auch eigentumsmäßig separiert. Papst Benedikt XV. errichtete 1921 das katholische Bistum Meißen wieder; Bautzen wurde Bischofssitz und der Dom Kathedralkirche. 1980 verlegte Papst Johannes Paul II. den Sitz des Bistums und des Domkapitels nach Dresden. Seitdem ist der Bautzener Dom zweite Bischofskirche (Konkathedrale) des Bistums Dresden-Meißen. In den Räumen des Domstiftes neben der Kirche befinden sich heute Archiv und Bibliothek des Bistums und des Kapitels sowie die Domschatzkammer. (August 2000)
Quelle: www.dompfarrei-bautzen.de